Ist Rohkost extrem?

Unter Extremisten – Ist Rohkost extrem?

Von außen betrachtet, für den nichtsahnenden Neuling, mutet die rohköstliche Ernährung extrem an. Ist Rohkost extrem?

 

Oft wird es als nächste Stufe gesehen auf einem Weg von der omnivoren Kost über die vegetarische und vegane Ernährung hin zur veganen Rohkost.

Quasi als Stufe 10 der extremen Nahrungsweisen, als Endpunkt des heutigen Gesundheitsfanatismus. Danach kommt quasi nur noch die Ernährung von Luft, Licht und chakraler Energie. Endlich hat auch jemand dem Ganzen einen Namen gegeben. Eine neue, medizinisch nicht anerkannte Krankheit macht in den Medien die Runde: Orthorexie. Den Zwang gesund zu Essen.

 

  • Moment mal. Kopfkino an! Was? „Herr Doktor, ich esse nur noch Gesundes. Doktor: Gefährlich, gefährlich. Wenn sie nicht bald wieder bei McDonalds essen, muss ich sie leider wegen einer psychischer Störung einweisen.“ Kopfkino aus! Ernsthaft?

 

Also willkommen im Kreis der orthorektischen, meditierenden, ewig entgiftenden, energetisiertes Quellwasser trinkenden, Wild- und Wiesenkräuter essenden, „Chemtrails“ verfolgten, extremistischen Spinnern.

Endstation.

Tschüss Spaß und Lebenslust.

Hallo Psychatrie.

 

Interessiert ist man ja schon und begibt sich auf die Suche nach Informationen. Der erste Blick auf Internetseiten und Facebook-Gruppen, die sich mit Rohkost beschäftigen, vermitteln einem den Eindruck man bräuchte ohne Dörrgerät, Hochleistungsmixer, Flockenquetsche, Slow-Juicer, Superfoods aus den entlegensten Teilen der Erde, Einlaufgerät und Heilerden gar nicht darüber nachzudenken in die Rohkost einzusteigen.

 

Und sollte man doch so mutig sein dies zu versuchen, darf man sich nicht Rohköstler nennen solange man noch keine 100 Tage Fastenkur gemacht hat und eine Parasitenkur, die Essbarkeit von jeder Pflanze am Wegesrand kennt, seine Fette nur noch aus Avocado und Nüssen bezieht, alles Andere in Bioqualität beim Bauern aus der direkten Nachbarschaft bezieht und sowieso nur noch in einem vierstündigen Fenster Nahrung zu sich nimmt.

 

Ganz ehrlich: Diesen Eindruck vermitteln einige Rohköstler auf den ersten Blick und das ist schade.

 

Ich will nicht sagen, dass All das komplett Falsch und schädlich ist. Ich möchte damit auch niemanden kritisieren. Jeder hat seine Daseinsberechtigung und trägt dazu bei aufzuklären und zu informieren.

Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass der Erstkontakt mit manchen schon etwas erschreckend ist. Das Thema ganzheitliche Gesundheit ist so riesengroß, es erschlägt einen förmlich.

Jedes Individuum ist auf seiner Reise, jeder startet an einem anderen Punkt. Und vor Allem; Nicht alle haben das Gleiche Ziel. Vieles hat seine Berechtigung und ist wissenschaftlich belegt, manches ist nur für einen gewissen Personenkreis umsetzbar, anderes kann sogar schaden.

 

Jeder muss für sich selbst entscheiden, was für ihn nötig ist und ihn in seiner persönlichen Entwicklung oder Gesundheit weiterbringt und was nicht. Und jeder hat auch das Recht zu entscheiden, wann es für ihn „Gut“ ist.

 

Es gibt Menschen mit massiven, chronischen Krankheiten, die durch Entgiftung und Rohkost Linderung und sogar Heilung erfahren haben. Auch gibt es extrem Übergewichtige, die durch Rohkost ihre krankhafte Sucht nach Salz, Fett und Zucker überwunden haben. Es gibt die Wissenschaftler, die nach genausten Recherchen der Studienlage und Selbstversuch zu dem Ergebnis gekommen sind, dass dies die gesündeste und damit einzig logische Ernährungsform für den Menschen ist. Oder Jene, denen es einfach gut tut frisches Obst und knackiges Gemüse zu essen, am besten zu jeder Mahlzeit.

 

Fakt ist: Rohkost ist einfach, Rohkost ist gesund, Rohkost ist für Jeden umsetzbar.

 

Jeder tut es. Jeder Apfel, Banane, Karotte, jedes Salatblatt ist Rohkost. Es braucht im Grunde keine teuren, neuen Geräte, keine Vorbereitung durch Fasten oder 50 Bücher zum Thema. Wer es liebt eine Himbeere vom Strauch zu pflücken und direkt zu essen ist im Grunde ein Rohköstler. Der Geschmack, die Konsistenz, die Reaktion des Körpers auf reife, unbehandelte, pflanzliche Nahrung ist überragend.

Es ist Genuss auf höchster Ebene, man ist satt und voller Energie.

 

Ich persönlich stelle täglich fest, wie gut es meinem Körper und meiner Psyche geht durch diese Form der Ernährung. Je höher der Anteil an Rohkost in meinem Speiseplan ist, je einfacher die Mahlzeiten, desto fantastischer fühle ich mich. Jede Zelle meines Körpers freut sich über die komplexen Nährstoffe, die sie perfekt verwerten kann.

 

Das ist für mich der Grund warum ich Rohkost esse.

 

Das ist der Grund warum ich dieses Gefühl jedem Menschen gönne, warum ich meine Rezepte, Essen und Erfahrungen mit Euch teile. Ich denke jeder sollte die Energie, Gesundheit und Freude erleben können, die einem eine rohe, pflanzliche Ernährung schenkt.

 

Ich möchte inspirieren mehr Pflanzen zu Fressen.

 

Alles Weitere ist Zusatz. Man kann köstliche Brote, Chips und Fruchtleder zubereiten im Dörrgerät. Man kann fantastische Salatsoßen, Smoothies und Eis im Mixer zubereiten und mit einem Slow-Juicer nährstoffreichen Saft aus Wildkräutern pressen. Das ist eine ganz eigene Welt des Zubereitens von Essen, in die man sich langsam reinfinden kann, wenn man es möchte.

 

Ich versuche meine Rezepte sehr einfach zu halten, mit wenig „ausgefallenen“ Zutaten.

 

Jeder sollte direkt die Möglichkeit haben sie zu Hause umzusetzen, wenn er Lust hat etwas Rohköstliches zuzubereiten. Lasst euch inspirieren und nicht abschrecken. Geht euren eigenen Weg und vielleicht habt ihr Lust morgen früh mal einen riesigen, leckeren, bunten Obstsalat statt der Brötchen und dem Kaffee zu essen.

 

Vielleicht fühlt ihr euch danach so gut, dass ihr euch übermorgen wieder einen macht. Vielleicht ist das euer erster Schritt in eine rohköstliche Ernährungsweise, vielleicht auch nur einfach mal ein etwas anderes Frühstück.

 

Ist Rohkost extrem?

Es liegt in eurer Hand.

 

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2 Gedanken zu „Unter Extremisten – Ist Rohkost extrem?

  1. Toller Beitrag. Genau das ist es….Rohköstler/Veganer vermitteln einem Neuling tatsächlich das Gefühl, dass man von heute auf morgen nur noch Rohkost/vegan essen darf sonst macht man es falsch und alles ist für den A**** . Ich allerdings bin auch der Meinung lieber jeden Tag ein wenig verändern und dies beibehalten als auf einen Schlag alles für kurze Zeit und dann wieder zurück zum Gewohnten, weil man es vermeintlich einfach nicht hinbekommt.

  2. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Jeder hat auch eine andere Definition von Wohlbefinden und Gesundheit. Für den Einen ist eine komplette Ernährungsumstellung von einen Tag auf den Anderen das „non plus ultra“, für den nächsten wäre es physisch und psychisch der „supergau“. Die meisten Menschen erreichen eine langfristige Veränderung durch kleine Schritte. Es gibt kein Regelwerk für die eigene Zufriedenheit. Niemand sollte sich erlauben Urteile zu fällen über den Weg und die Entwicklung eines Anderen. Du hast genau das hervorragend für dich erkannt. Folge weiter deinem Gefühl/Herzen/Intuition, es zeigt dir den richtigen Weg. Viel Freude weiterhin.

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