Süchte

„Alltags-Süchte“ – Genuss oder Gefängnis?

Achtung! Vorweg möchte ich betonen, dass nachfolgendes auf meinen persönlichen Erfahrungen und allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnisständen beruht. Abhängigkeit und Süchte sind ein sehr persönliches und oft auch schwieriges Thema. Dieser Artikel soll zur Information und Motivation dienen. Ich bin kein Arzt und kein Suchtberater. Jeder ist anders und für sich selbst verantwortlich. Professionelle Hilfe gibt es unter https://www.kenn-dein-limit.de/handeln/beratungsstellen/ oder http://www.rauchfrei-info.de/aufhoeren/aufhoeren-start/


 

Warum ist es so schwierig von Alltags-Süchten loszukommen?

 

Der Grund ist Dopamin, Serotonin und das Belohnungszentrum unseres Gehirns. Kurz gesagt ist Dopamin unser Antrieb und Serotonin unsere Belohnung.

 

Die Ausschüttung dieser Botenstoffe funktionieren ganz natürlich, helfen uns unseren Alltag zu bewältigen, Ziele zu erreichen, stärken Bindungen und Beziehungen. Sport, Genuss, Liebe, Erfolg, Schlaf; solche Dinge halten diese Botenstoffe in einem gesunden Gleichgewicht.

 

Sie können aber auch schneller, einfacher und intensiver ausgeschüttet werden. Stoffe wie Nikotin, Alkohol und Zucker sprechen dieselben Stellen im Gehirn an, wie andere Drogen. Sie gaukeln unserem Gehirn unnatürliche Zustände vor, die uns süchtig machen.

Während es „für gewöhnlich“ kein Problem ist auf das Probieren von Heroin, Meth, Kokain und Ähnlichem zu verzichten, sieht es bei den „Alltags-Drogen“ wie Nikotin, Alkohol und Zucker ganz anders aus. Viele sind mehr oder weniger süchtig nach diesen Dingen, ohne sich je bewusst dafür entschieden zu haben. Sie sind gesellschaftlich mehr oder weniger anerkannt und als „Normal“ angesehen. Zum Feierabend das Bierchen, zur Stressregulation die Zigarette, zum Geburtstag der dicke Kuchen.

 

Völlig normal in unserer Gesellschaft.

 

Kinder werden schon sehr früh mich zuckerhaltigen Lebensmitteln überhäuft, beschenkt und ruhig gestellt. Jugendliche werden als Initiationsritual auf Familienfeiern zum Probieren von Alkohol gedrängt und zünden sich aus „Coolness“ oder Rebellion ihre erste Zigarette an. Eine Generation von Süchtigen führt die Nächste in gefährliche Abhängigkeiten. Das mag sich zunächst etwas übertrieben anhören, aber im Grunde entspricht es der Wahrheit. Es gibt eine große Menge Menschen, die ihr Geld damit verdienen, andere abhängig zu machen und im Weiteren die dadurch verursachten negativen Folgen mit dem einen oder anderen Mittelchen zu lindern.

 

Wie schlimm diese „Alltags-Süchte“ sind, erkennt man meist erst, wenn man versucht davon loszukommen. Wie angesehen zum Beispiel der „Genuss“ von Alkohol ist, merkt man wenn man verkündet eine Weile oder für immer auf ihn zu verzichten. DAs es durchaus schwierig ist im Supermarkt einzukaufen, merkt man erst wenn man versucht auf Zucker in der Zutatenliste zu verzichten. Und wie anstrengend es sein kann, die Nikotinsucht zu bekämpfen weiß jeder Raucher, der schon einmal versucht hat diese Gewohnheit abzulegen.

Ich möchte zwei Beispiele aus meiner persönlichen Geschichte zeigen, um euch zu motivieren eure Süchte zu besiegen.

 

 

Nikotin

 

Die erste Substanz, von der ich es erfolgreich geschafft habe mich zu befreien, sind Zigaretten. Mit 12 Jahren paffte ich meine erste Kippe. Es war ekelhaft und tat in der Lunge weh, aber es war auch cool, verboten und aufregend. Die Zigarette wurde nach und nach mein Accessoire. Ich rauchte gern und viel. Zur Beruhigung, zur Belohnung, zum Wachwerden und Einschlafen, nach dem Essen, zum Alkohol, zum Kaffee, während des Autofahrens, zum Päuschen machen.

 

Ich rauchte gerne, viel und mit Leidenschaft.

Es schmeckte mir und ich empfand es als Teil meiner Persönlichkeit. Es gab zwar Versuche zu Reduzieren oder für „eine gewisse Zeit“ aufzuhören, aber der wirkliche Wille es ein für alle Mal aufzugeben kam erst mit fast 30.  Ich sah die Videoreihe „Nichtraucher in 90 Minuten“ von Dr. Stefan Frädrich, in der er ganz logisch und vernunftorientiert eine Anleitung zum Aufhören gibt.

 

Hier geht’s zur 5-teiligen Videoreihe:  https://www.youtube.com/watch?v=Ap6MHpZ3dPE&list=PLt0v_maPeyxlqgb4huRuAH26prdTUzkgy

 

Irgendwie machte es Klick und ich verstand endlich diese Sucht und wie der Entzug von ihr abläuft, sowohl körperlich als auch geistig, wie sie mich in meiner persönlichen Freiheit einschränkt und wie sie erfolgreich bekämpft werden kann.

Ich habe seitdem keine einzige Zigarette mehr angepackt und halte die Entscheidung aufzuhören für eine der besten in meinem Leben. Mittlerweile bin ich seit 2015 rauchfrei und habe absolut kein Verlangen danach mir wieder eine anzustecken. Dieser Erfolg hat mich bestärkt auch andere Süchte in meinem Leben zu besiegen.

 

 

Alkohol

 

Auch hier galt; „früh übt sich, wer einmal Andere unter den Tisch trinken möchte“ und so trank ich heimlich oder auf Feiern mit 14 das eine oder andere „Bierchen“ oder „Schnäpschen“ (süß, diese Verniedlichung, oder nicht?) und ging eine klassische Beziehung mit dem lieben Seelentröster ein.

 

So wurde im Laufe der Jahre geübt die Verträglichkeit zu erhöhen und den Kater am nächsten Tag so gering wie möglich zu halten. Zu jeder Gelegenheit, mag sie schön oder traurig gewesen zu sein, war Alkohol mit dabei. Zum Anstoßen bei Festlichkeiten, bestandenen Prüfungen, Hochzeiten, Geburten, zum Feierabend als Belohnung, weil die Sonne scheint, weil man so nett zusammen sitzt, aus Langeweile, weil Wochenende ist, weil Mittwoch ist, wenn man verlassen wurde, auf Beerdigungen, weil man traurig ist, am 1. Mai, usw.

 

Es kam ein Punkt in meinem Leben, an dem mir bewusst wurde, dass das Gläschen Wein an 6 von 7 Tagen der Woche zu meiner Normalität geworden ist und da ich mich gerne in Extremen bewege, blieb es selten bei dem einen Glas.  

Ach, eigentlich gab es immer einen Grund zum „Saufen“.

Während der Schwangerschaften führte man interessante Dialoge ala: „Achja, bald kannst du ja auch wieder anstoßen,“ und in unserer ersten Fastenzeit mit Verzicht auf Alkohol waren die Diskussionen schier endlos warum man denn jetzt nichts trinken mag. Nach Operationen oder während der Einnahme von Medikamenten wurde man bemitleidet, jetzt gerade keinen Alkohol trinken zu können. Beinahe vorwurfsvoll wurde man als abstinenter Partygast mit einer Flasche Wasser in die Ecke gesetzt, als wäre man von nun an nicht mehr fähig ein interessantes Gespräch zu führen oder gar lustig zu sein.

 

Damals, während der Schwangerschaften und ersten Fastenzeiten fühlte sich die vorrübergehende Abstinenz ganz furchtbar an. Man ersehnte förmlich das erste Zischen des Bieres nach dieser dunklen, traurigen, entbehrungsreichen Zeit. Der Druck der Gesellschaft mitzutrinken fällt erst auf, wenn man ihm nicht nachgeben kann oder möchte.

 

Nüchtern betrachtet stellt das „Ethanol“ im Drink jedoch nichts dar, was man zu sich nehmen möchte. Alkohol ist ein Nervengift, das unserem Körper in keinster Art und Weise einen positiven Nutzen bringt. Von dem Moment an, in dem wir den Kopf in den Nacken werfen und mit einem fröhlichen Prost den Schnaps unsere Kehle hinunterwürgen, stoppt unser Körper alle weniger wichtigen Prozesse und beginnt gegen dieses Gift zu kämpfen. Das Ethanol greift die Mundschleimhäute an und die Speiseröhre, ruft Entzündungen hervor und verursacht Sodbrennen. Die Magenschleimhaut wird gereizt und schwillt an, im Dünndarm wirkt er direkt toxisch und löst ebenfalls Entzündungen aus. Schädliche Stoffe gelangen ins Blut und belasten unsere Leber, bei regelmäßigem Konsum ist die Krebsgefahr deutlich erhöht.

 

Alkohol baut sich extrem langsam ab, von einem feucht-fröhlichem Abend haben wir deutlich länger etwas von.

Warum interessiert und das alles nicht?

Alkohol setzt den Neurotransmitter Dopamin frei und löst somit Glücksgefühle aus. Durch die lähmende Wirkung auf unsere Muskeln fühlen wir uns entspannt. Alkohol braucht 2 min, um im Gehirn anzukommen. Alkohol macht glücklich. Scheinbar.

 

Diese Zusammenhänge brachten mir eine wesentliche Erkenntnis. Wenn man nun zu den Menschen gehört, die sowieso ein Problem mit einem gesunden Hormonhaushalt im Kopf haben, sollte man auf eine natürliche Dopaminquelle setzen, sonst droht zwangsläufig früher oder später eine ernstzunehmende Abhängigkeit.

 

Nach dem erfolgreichen Verzicht auf Nikotin, setzte ich mir ein Datum und hörte einfach auf Alkohol zu trinken. Dadurch, dass ich für mich persönlich völlig überzeugt war von dem Mehrwert dieser Entscheidung, war es kein Problem die anfänglichen Fragen und Bedrängungen ohne Rückfall zu überstehen. Am Anfang wurde ich belächelt, nicht für voll genommen, man wollte mich überreden, ich war Zielscheibe der Belustigung, wurde von Einladungen ausgenommen und für extrem erklärt.  Mittlerweile habe ich seit 2016 nichts mehr getrunken und mein Verzicht auf Alkohol ist bei allen Freunden, Verwandten und Bekannten angekommen und erweckt kein großes Aufsehen mehr.

 

Ich bin immer noch Ich, ich bin immer noch lustig, charmant, verrückt, interessanter Gesprächspartner und mittlerweile wieder gern gesehener Partygast. Dazu aber noch frei von fürchterlichen Katertagen, frei von Magenschmerzen und Sodbrennen, verlässliches Party-Taxi, morgendlicher Gassi-Geher und Brötchen-Holer. Ein absoluter Gewinn an Lebensqualität und ein großer Erfolg in meiner persönlichen Entwicklung.

 

 

Zucker

 

Beinahe jeder von uns ist süchtig nach weißem, raffinierten Zucker. Warum das Verlangen nach Zucker eine Sucht ist, kann jeder erspüren, der versucht auf ihn zu verzichten. Für gewöhnlich beginnen nach wenigen Stunden die ersten Entzugserscheinungen. Kopfschmerzen, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche und das dringende Bedürfnis das weiße Gold zu sich zu nehmen. Wer sich schon einmal auf diesen Weg gemacht hat, weiß wie schwierig er ist. Dabei ist Zucker einer der am schnellsten abhängig machenden Stoffe.

 

Er zerstört die Darmflora und schwächt damit das Immunsystem, er zerstört den Zahnschmelz und führt zu Übergewicht und damit einhergehend Diabetes Typ 2. Er macht hyperaktiv, kann Depressionen und Angstzustände auslösen und verursacht unreine Haut.

Die Lebensmittelindustrie setzt Zucker, ähnliche wie Glutamat, ganz bewusst ein um den Konsumenten in eine Abhängigkeit zu führen und somit Produkte öfter und in größeren Mengen zu verkaufen. Sie schürt bewusst den Wunsch nach Belohnung und führt schon unsere Kinder in die Welt der Süchte.

 

Eine Tafel herkömmlicher Schokolade besteht zu 50% aus weißem Zucker. Viele werden bestätigen, dass Schokolade ein Lebensmittel ist bei dem man seinen Konsum schwer auf ein kleines Stück reglementieren kann. Der Zucker löst extreme Reaktionen im Gehirn aus und lässt uns den Wunsch nach mehr verspüren. Ich fühle beim Verzehr von Zucker eine regelrechte Explosion in meinem Kopf, da bedarf es nur einer winzigen Menge um eine rasende Gier nach Mehr auszulösen. Datteln hingegen bestehen sogar zu 70% aus Fruchtzucker. Ich habe bis jetzt noch niemanden gehört, der im Zuge eines Fressanfalls nicht aufhören konnte Datteln zu essen. Diese Art von Zucker scheint ganz anders vom Körper aufgenommen zu werden. Wenn ich Lust auf Süßes habe, esse ich ein oder zwei getrocknete Datteln und bin zufrieden.

 

Ein guter Start in eine zuckerfreie Ernährung kann eine Saftfastenkur sein. Herkömmlichen weißen Zucker durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen ist erstrebenswert und langfristig gesehen ein großer, gesundheitlicher Gewinn.

 

 

 

Jede Art von Sucht macht uns nur kurzfristig glücklicher.

Auch die kleinen Süchte des Alltags. Auf längere Sicht gesehen schaden wir uns körperlich, geistig und seelisch, indem wir uns in das Gefängnis einer Abhängigkeit begeben. Wir müssen lernen auch ohne diese künstlichen Aufheller glücklich zu sein und unserer Hormonproduktion im Gehirn die Chance geben wieder natürlich und von ganz allein zu funktionieren. Je mehr wie uns befreien, desto freien kann unser Geist funktionieren.

 

Wir müssen lernen alle unsere Emotionen, mögen sie positiv oder negativ sein, anzunehmen und zu verarbeiten. Wenn wir sie mit Zigaretten, Alkohol und Süßigkeiten, diesen kleinen Süchten des Alltags verdrängen, werden sie irgendwann anfangen uns seelisch krank zu machen. Es ist möglich sich davon zu befreien.

 

Glaubt an euch selber, seid überzeugt von dem Mehrwert, den das Aufgeben schlechter Angewohnheiten hat und beginnt damit zu Handeln. Jeden Tag wird es leichter loszulassen und irgendwann habt ihr den Punkt erreicht, an dem ihr euch gänzlich davon befreit habt.

 

 

Ihr habt euer Leben selbst in der Hand. Macht das Beste daraus.      

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