Saftfasten - Erfahrungsbericht 2016

Saftfasten – Erfahrungsbericht 2016

Saftfasten – Erfahrungsbericht 2016

Hier könnt ihr meinen Erfahrungsbericht 2016 zu meinem ersten Saftfasten lesen.

Tag 1

Voll motiviert, starte ich in meinen ersten Saftfasten-Tag. Ich gehe eine schöne Runde mit dem Hund und trinke dabei 750ml lauwarmes Wasser um meinen Kreislauf in Schwung zu bringen und die durch die Nacht entstandene Dehydration auszugleichen.

Diese Routine versuche ich generell in meinem Alltag zu befolgen. Der Körper braucht in erster Linie Wasser um zu funktionieren. Wenn der Flüssigkeitsbedarf erstmal gedeckt ist, verschwindet die morgendliche Müdigkeit und Steifheit in den Knochen, ganz ohne Kaffee.

Probiert es doch einfach mal aus.

Wieder zu Hause starte ich mit meinem morgendlichen Sportprogramm aus 20min Ganzkörpertraining.

Jetzt geht’s los. Der Entsafter wird rausgeholt und die erste „Mahlzeit“ zubereitet. Eine reife Mango, zwei sehr reife Nektarinen und drei Orangen lächeln mich an. Also ab damit in das Gerät und nach gefühlten 2 sec hat sich aus dem lecker Obst eine köstliche orangene Suppe entwickelt.

Die Benutzung des Gerätes braucht wohl noch etwas Übung, denn die gesamte Küche nebst Tapete weist deutliche Spuren aus gelblichen Obststückchen auf.

Geschmackstest überzeugt.

Riecht gut, schmeckt gut, so kann man es sich gut gehen lassen. Wegen der Süße und meinem durch das Wasser schon etwas gefülltem Magen reicht mir dieser Saft bis 10:00 Uhr. Bis dahin habe ich immer wieder kleine, köstliche Schlucke zu mir genommen und bin überzeugt, das Projekt wird fantastisch.

Nach weiteren 750ml Leitungswasser kommt mittags die erste Herausforderung auf mich zu. Um meine Bauchspeicheldrüse nicht zu überfordern habe ich beschlossen mindestens einen frisch gepressten Gemüsesaft am Tag zu trinken.

Also kam frisch vom Bauern Zucchini, Kohlrabi, Gurke und Sellerie in die Höllenmaschine. Ein wenig Angst bekam ich beim Anblick dieser Masse Grün dann doch und gab noch 1 ½ Äpfel dazu.

Herauskam ca. 1 L hellgrüne Brühe, die doch massiv nach Sellerie roch.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle anmerken, dass ich kein Fan von Sellerie bin. Ich bin viel mehr der Überzeugung, dass er pur nicht genießbar ist. Der Ein oder Andere mag dieses intensive Gewächs gern roh und pur verzehren, mir stellen sich allein bei der Vorstellung die Nackenhaare auf.

Der Geschmackstest war wider Erwarten gar nicht mal so übel. Schluck für Schluck leerte sich die Flasche über den Nachmittag während unseres wöchentlichen Einkaufsmarathons. Wer hätte das gedacht, ich hab es wirklich ausgetrunken. Abends kam dann ein kleines Tief, dass ich wohl auch ohne Fasten nach einem solchen Tag gehabt hätte.

Also bis dahin alles paletti.

Zum Abschluss des Tages gelüstete es mich nach Wasser mit dem Saft einer Zitrone und einem Stängel Petersilie, sowie Minze. Daran ergötzte ich mich bis zur Schlafenszeit. Nach der abendlichen Yogastunde fühlte ich statt Hunger eigentlich nur tiefe Zufriedenheit. Meine Freude auf die am nächsten Morgen zu entsaften geplante Wassermelone war trotzdem überschwänglich.


Tag 2

Am nächsten Morgen fühlte ich mich ein wenig dusselig und schwammig. Gerne hätte ich noch länger geschlafen, viel länger. So ca. 1 Woche am Stück.

 

Es hilft ja nichts, der Alltag geht weiter. Also raus aus dem Bett mit dem Kadaver und Hund angeleint. Mit der lauwarmen Flasche Leitungswasser unter dem Arm raus in die Natur. Ok, der Geruchssinn ist schon mal geschärft. Ich roch von den taubedeckten Wiesen, über den Müll des Supermarktes bis zum Kot meines Hundes alles extrem intensiv. Konnte mich aber zu der unchristlichen Uhrzeit noch nicht entscheiden, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Nach dem Sportprogramm, was zugegebenermaßen etwas elanlos vonstattenging, wartete endlich die große Wassermelone auf ihre Entsaftung. Beim Aufschneiden dann die Enttäuschung. Statt einem satten Rot, kam da eher etwas zartrosa bis weißes zum Vorschein.

Können Melonen schlecht werden?

Zur Sicherheit verwendete ich nur die Hälfte der seltsamen Erscheinung und füllte den Rest mit Blaubeeren und einer Galia-Melone auf. Das Ergebnis dieser Zusammenstellung schmeckte weniger gut als erwartet, war aber trinkbar. Beinah verdrängt hätte ich wohl mein erstes Zusammentreffen mit dem berühmten Endgegner;

dem Sauerkrautsaft.

Nichts ist wichtiger, als den Stoffwechsel und den „Durchlauf“ am Laufen zu halten und irgendwo in den Tiefen des Internets habe ich gelesen, dass dieser monströse Saft wohl eine recht anregende Wirkung haben soll. Also vorerst ein kleines Päckchen besorgt und heute Morgen geöffnet. Der Geruchstest erinnerte an Kassler Braten und Klöße, der trotz Veganer eine gewisse Vorfreude in mir auslöste. Der Erste Schluck bekam noch das Prädikat „gar nicht so übel“, beim fünften Schluck musste ich mich schon ernsthaft beherrschen nicht zu speien.

 

Oh.

Mein.

Gott.

 

Ich beschloss kurzerhand die Packung auf zwei Tage aufzuteilen und widmete mich vorerst wieder meiner Melonenbrühe.


Tag 3

So langsam überkommt mich eine gewisse Lethargie, wenn es um das Essen anderer geht. Der Geruch und die leuchtenden Farben, diese Köstlichkeiten, die andere unter ihrer Nase reinschieben juckt mich immer weniger. Ich denke man nennt es auch: „sich dem Schicksal ergeben“. Damit einhergehend überkommt mich ein tiefer Friede. Die Sonne scheint, alles ist gut.

Heute befindet sich mein Energielevel wieder auf „Normal“,

dennoch genieße ich es den Nachmittag gemütlich bei Orangen und Grapefruitsaft auf der Hängeschaukel zu verbringen, mit guter Lektüre und netten Gesprächen. Nicht nur mein Magen-Darm-Trakt scheint Urlaub zu nehmen, sondern auch mein Geist. Mich gelüstet es nach ein wenig Gartenarbeit und so wird ein Teil meines Gemüsebeetes schon mal Herbsttauglich gemacht. Gegen 21:00 Uhr abends falle ich in einen komatösen, regenerierenden Schlaf.


Tag 4

Voller Vorfreude, dass die berühmten schlimmen drei ersten Tage einer Fastenkur vorbei sind, startete ich in den Tag. Ein kleiner Spaziergang, etwas Training, lauwarmes Zitronenwasser. Mittlerweile fühlt es sich an, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Ich überlege das Saftfasten zu verlängern.

Wenn es mir weiterhin so gut geht, könnten aus den geplanten sieben Tagen auch gerne 10 werden. Auch die Waage sieht noch recht gut aus. 2 Kilo weniger zeigt sie an. Vorrangig Wasser, denke ich und Reste von Nahrung, die noch im Verdauungssystem waren, sind weg. Abnehmen steht bei meiner Saftfastenkur nicht im Vordergrund. Sollte sich der Zeiger auf der Waage zu arg nach unten senken, werde ich das Experiment vorzeitig beenden. Aber von dieser Seite ist noch alles paletti.

Um wieder zur Vorfreude zu kommen,

ab jetzt wäre alles kinderleicht, muss ich gegenteiliges berichten. In einem Moment des Stresses überkam mich vormittags ein wahnsinniger Hunger, mit fürchterlich lauten Magenknurren und so weiter. Ich fragte mich nur, wieso?

Ich machte eine kurze Pause, nahm mir Zeit in mich hineinzuhorchen und kam zu folgendem Ergebnis: Früher habe ich emotionalen Stress versucht durch Essen abzubauen. Mein Körper reagierte in dieser Situation genau wie er es gewohnt war, nämlich mit Magenknurren.

Dieser „Hunger“ hat nichts mit dem Hunger nach Nahrung zu tun, die der Körper zum reibungslosen Arbeiten braucht. Jeder kennt den besonders ausgeprägten Appetit im Urlaub, nach Feierabend, nach bestandenen Prüfungen oder erledigten Arbeiten. Auch dieser Essgelüste haben nichts mit wirklichem Hunger zu tun.

Wir haben uns lediglich darauf trainiert uns mit Nahrung zu belohnen.

Wenn man jetzt noch das Thema des gesellschaftlichen Essens, zum Beispiel die Schüssel Chips zu einem Glas Bier in geselliger Runde und Ähnliches dazu nimmt, hat man schon die 3 großen Themen des emotionalen Essens.


 Tag 5

Heute erfolgt eine kleine Einkaufsübersicht.

Zur Info: Die ersten 4 Tage der Saftfastenkur habe ich bunt gemischt alles durch den Entsafter gejagt, was mir in die Finger kam. Vieles schmeckte, vieles nicht. Vieles funktionierte, im Sinne von „ergab Saft“, einiges nicht. Beim Einkauf heute beschränkte ich mich auf Lebensmittel nach denen es mich gelüstete, die in Bio-Qualität zu haben waren und preislich nicht den Rahmen sprengten.

3 Ananas

1 kg Möhren (Bio)

6 Limetten (Bio)

1 Wassermelone ca. 3 kg

4 Rote Paprika (Bio)

8 Kugeln Rote Beete (Bio)

6 Strauchtomaten (Bio)

12 Äpfel (Bio)

4 Gurken (Bio)

1 Stück Ingwer (Bio)

12 Orangen

 

= ca. 45 Euro für pures Wellness, Detox, Entgiftungsprogramm. Flüssiger Sonnenschein und ein Fluten mir Vitaminen vom Feinsten.


 Tag 7

Heute stellte ich mich dem absoluten „Situationsendgegner“.

Ein Fest eines großen, regionalen Arbeitgebers an dem jede erdenkliche Leckerei, bio, regional, köstlich duftend bei feinstem Sonnenschein angeboten wurde. Meine Familie kaute mir genüsslich einen vor, während ich an einem ebenso köstlichen, jedoch flüssigem Ananassaft schlürfte.

Auch bei dem gemütlichen Sonntagabend Fernsehfilm, bei dem mein Mann munter Süßigkeiten jeglicher Art vertilgte manifestierte sich in mir nur ein Gefühl.

Grenzenlose Wut.

Ich wollte auch wieder etwas kauen. Irgendetwas von fester Konsistenz soll in meinem Mund und meine Zähne an ihre eigentliche Aufgabe erinnern. Visionen von zerschmetterten Saftflaschen und rituell verbrannten Entsaftungsmaschinen liefen in Dauerschleife durch meinen Kopf.

Ich spielte kurz mit dem Gedanken mein Fastenbrechen vorzuverlegen. Aus Wut kippte ich mir den letzten halben Sauerkrautsaft hinter die Binde. Da war der Hunger und jeglicher Appetit verflogen.


Tag 8

Geschlafen habe ich erstaunlicherweise gut.

Meine Gedanken über massakrierte Entsafter verfolgten mich glücklicherweise nicht bis in meine Träume. Jetzt stand die Entscheidung an.

Wassermelone essen oder dem Entsafter opfern.

Ich entschied mich vorerst den Saft zu genießen und den montagnachmittäglichen Einkaufsmarathon abzuwarten.

Ich könnte mir vorstellen morgen, an Tag 9 das Fasten zu brechen und ausgewähltes, frisches Obst und Gemüse zu genießen, meine Aufbauzeit einzuleiten und ab Donnerstag oder Freitag wieder fettreichere Nahrung (Nüsse, Avocado, etc.) zu mir zu nehmen.


Tag 10 – 1. Aufbautag

So wie vorgenommen, startete ich heute meinen ersten Aufbautag mit ca. 100g Wassermelone zum Frühstück.

Es war unfassbar köstlich und sehr, sehr sättigend.

Im Laufe des Vormittags knabberte ich noch eine Nektarine. Mein Magen nahm die lang ersehnte feste Nahrung mit Freude auf reagierte ohne jegliches Ziepen, völlig gelassen. Mittags gab es einen Salat aus Gurke und Blattsalat. Das Dressing bestand aus Tomaten und einer Paprika, die ich püriert habe. Voila, köstlich.

Wirklich unfassbar köstlich.

Den Rest davon gab es zum Abendbrot. Zwischendurch aß ich als Snack reife Pflaumen und Weintrauben. Kurz vor dem Schlafengehen bereitete ich noch Roh-Vegane Brownies vor und träumte von den Köstlichkeiten, die ich mir morgen zubereiten wollte.

Das Glücksgefühl beim Vorbereiten, Riechen und Schmecken des frischen Obst und Gemüses waren unbeschreiblich.

Ich fühl mich wie eine gezündete Rakete, glücklich, gesund, dankbar und voller Genuss.


Fazit

Mein erstes Saftfasten verbuche ich als vollen Erfolg.

Zugegeben: Es ist weder lustig noch kulinarisch ein Genuss. Unter Spaß verstehe ich auch andere Dinge, aber von gruseligen Hunger- und Schwächeattacken wie manch einer berichtet wurde ich verschont.

Möglicherweise waren auch die Entgiftungserscheinungen nicht so groß, da ich sowieso in letzter Zeit recht gesund gegessen habe. Ich hatte überhaupt keine Kopfschmerzen oder sonstige, größere erwähnenswerte Zipperlein.

Im Gegenteil:

Ich fühlte, wie ich jeden Tag mehr loslassen konnte von innerer Anspannung und meiner Sucht nach Weizen, Zucker und Salz.

Soweit es möglich ist und mir gut tut, möchte ich vorerst bei einer Roh-Veganen Ernährung bleiben. Meinem Körper geht es fantastisch, ebenso meinem Geist und meiner Seele.

Jeder Bissen, der in meinen Mund wandert, erfüllt mich mit Freude. Unverarbeitetes Obst und Gemüse macht mich Satt, glücklich, gesund, konzentriert und leistungsfähig.

Um ein neues Ernährungskonzept zu starten, Süchte wie Alkohol und Zigaretten oder nach weißem Zucker, Mehl oder Salz loszuwerden, ist eine Auszeit von allem im Zuge einer Saftfasten-Kur absolut zu empfehlen.

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